Das heurige Blogjahr möchte ich mit einem leider wieder aktuellen Gedicht von Erich Kästner aus dem Jahr 1930 beschliessen –
die Wiener Gewerkschaftsschule wünscht damit allen (ehemaligen und jetzigen) TeilnehmerInnen und den Freunden der WGS
schöne erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr !
Lieber, guter Weihnachtsmann,
weißt du nicht, wie’s um uns steht?
Schau dir mal den Globus an.
Da hat einer dran gedreht.
Alle stehn herum und klagen.
… Alle blicken traurig drein.
Wer es war, ist schwer zu sagen.
keiner will’s gewesen sein.
Uns ist gar nicht wohl zumute.
Kommen sollst du, aber bloß
mit dem Stock und mit der Rute.
(Und nimm beide ziemlich groß.)
Breite deine goldenen Flügel
aus, und komm zu uns herab.
Dann verteile deine Prügel.
Aber bitte nicht zu knapp.
Lege die Industriellen
kurz entschlossen übers Knie.
Und wenn sie sich harmlos stellen,
glaube mir, so lügen sie.
Ziehe denen, die regieren,
bitteschön, die Hosen stramm.
Wenn sie heulen und sich zieren,
zeige ihnen ihr Programm.
Komm, und zeige dich erbötig,
und verhau sie, dass es raucht!
Denn sie haben’s bitter nötig.
Und sie hätten’s längst gebraucht.
Komm, erlös uns von der Plage,
weil ein Mensch das gar nicht kann.
Ach, das wären Feiertage,
lieber, guter Weihnachtsmann!
(Erich Kästner, Die Weltbühne, 1930)
(geteilt/geklaut von Gottfried Wolfgang Sommer´s Facebookseite)